Ein Interview mit Diana

Diana Doko, Freunde fürs Leben e.v. © Anni Reeh
Bei WeShape sind wir sehr froh über die Kooperation mit Freunde fürs Leben e.V.
Seit 2001 klärt der gemeinnützige Verein Jugendliche und junge Erwachsene über seelische Gesundheit, Depression und Suizid auf. Im Interview berichtet Gründerin Diana Doko über die Arbeit und die Entstehung des Vereins.

Liebe Diana, stelle unseren Leser:innen eure Organisation doch in ein paar wenigen Sätzen vor.

Ich bin Diana Doko und habe vor 20 Jahren den Verein „Freunde fürs Leben“ mit Gerald Schömbs gegründet. Neben meiner ehrenamtlichen Tätigkeit im Verein arbeite ich hauptberuflich als freie PR-Beraterin und Hochschuldozentin für PR und Marketing. „Freunde fürs Leben“ klären über Depressionen, seelische Gesundheit und Suizid auf, damit Signale für eine Erkrankung und Hilferufe frühzeitig erkannt werden. Denn wir sind davon überzeugt, je mehr über seelische Gesundheit – vor allem auch in der Öffentlichkeit – gesprochen wird, desto eher können Suizide verhindert werden. Daher informieren wir online und offline über Fakten, Warnsignale und Therapiemöglichkeiten und machen Hilfsangebote sichtbar.

Wie kam es denn zu der Idee eures Projekts, wie ist es entstanden?

1998 hat sich mein Bruder im Alter von 22 Jahren das Leben genommen. Er litt unter Depressionen, wovon wir als Familie, aber die wenigsten seiner Freunde wussten. Zwei Jahre nach dem Suizid meines Bruders hat ein befreundeter Kollege, Gerald Schömbs, seine Freundin durch Suizid verloren. Im Gespräch haben wir festgestellt, dass so viele Vorurteile, falsche Informationen und Stigmata rund um die Krankheit bestehen, dass niemand darüber reden will und Betroffene so immer das Gefühl haben, sich nicht öffnen zu können und sich Hilfe zu suchen. Deshalb haben Gerald und ich den Verein ‘Freunde fürs Leben e.V.’ gegründet.

Mit einem sehr engagierten, kleinen Team betreiben wir seither Aufklärungsarbeit zu Depression und Suizid, um die Themen aus der Tabuzone zu holen, Hilfsmöglichkeiten aufzuzeigen und so Suizide zu verhindern. Dabei haben wir vor allem junge Menschen im Blick, denn sie brauchen das Rüstzeug, ihre manchmal widersprüchlichen Gefühle einzuordnen, zu verstehen, wann sie oder ihre Freunde Hilfe benötigen und sich den Problemen gemeinsam anzunehmen. Die Entstigmatisierung des Themas ist unfassbar wichtig, denn sie könnte vielen Menschen die Angst nehmen, über Depressionen zu sprechen. Depressionen sind nicht ansteckend – sie sind eine behandelbare Erkrankung.

Was treibt euch denn täglich an, wofür brennt ihr?

Mit Freunde fürs Leben kämpfen wir seit Jahren dafür, dass die Themen Depressionen und Suizid auch auf die gesundheitspolitische Agenda der Bundesregierung kommen. Jährlich sterben in Deutschland 10.000 Menschen durch Suizid. Das sind mehr Tote als durch Verkehrsunfälle, Drogen- oder Alkoholmissbrauch und AIDS zusammen. Eine bundesweite Aufklärungskampagne über Depression, wie es sie seit Jahren für AIDS, Alkohol oder Drogen gibt, gibt es aber immer noch nicht. Gerade am Beispiel von AIDS zeigt sich doch, wie man ein tabuisiertes Thema in der breiten Öffentlichkeit normalisieren, Ängste und Unwissen abbauen und präventiv über eine Erkrankung aufklären kann.

Wenn du in 3 Stichworten nennen müsstest, in welchen Bereichen ihr die Welt zum Besseren verändert, was wären diese drei Worte?

Enstigmatisierung
Enttabuisierung
Psychische Gesundheit

Möchtest du unseren Leser:innen noch etwas mitgeben?

Unsere Vision ist eine aufgeklärte Gesellschaft, in der offen über psychische Erkrankungen gesprochen wird, Betroffene auf schnelle Hilfe zurückgreifen können, junge Menschen über gesundheitsfördernde Faktoren Bescheid wissen und weniger Entscheidungen für Suizid getroffen werden.

Vielen Dank für diese spannenden Einblicke in eure wichtige Arbeit. Wir freuen uns, dass wir euch gemeinsam mit den Mitarbeiter:innen unterstützen können! Wer noch mehr wissen möchte, der findet detaillierte Informationen hier auf der Website von Freunde fürs Leben e.V.

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