Ein Interview mit Anja Fiedler

Anja Fiedler, Apfelschaetze, Stadt macht satt © Anke Sademann
Wir freuen uns sehr, Apfelschätze als Teil der WeShape-Familie zu begrüßen. Anja Fiedler rettet mit ihrer Initiative Äpfel und versorgt damit Kitas und Schulen. Zudem pflanzen sie neue Bäume, pflegen die alten und vermitteln Wissen zu nachhaltiger Ernährung und umweltbewusstes Handeln.
Heute stellt die Gründerin Anja ihre Organisation etwas genauer vor.

Liebe Anja, stelle unseren Leser:innen eure Organisation doch in ein paar wenigen Sätzen vor.

Ich bin Anja von Apfelschätze und rette jetzt seit über einem Jahrzehnt jedes Jahr Tonnen von Äpfeln vor dem Verrotten. Obwohl Deutschland mehr Apfelbäume als Einwohner hat, werden immer mehr Äpfel importiert und nur ein Bruchteil des heimischen Obstes geerntet. Das führt zu Monokulturen und dem Verschwinden von immer mehr Apfelsorten und mit ihnen verschwindet ein Stück Kultur, Biodiversität sowie Lebensräume für Tiere.

Bei Apfelschätze bringe ich Baumbesitzer und Städter in der Region Berlin-Brandenburg zusammen. So wird die Arbeit geteilt und die Städter können sich, klimafreundlich und lokal für Wochen oder Monate selbst versorgen.
So haben alle was davon: Die Städter, die Baumbesitzer und die Natur.

Mit Baumschnittkursen und Pflanzungen pflegen wir lokale Sorten. Ein Hauptfokus ist jedoch die Bildungsarbeit. Mit einem Baum verändern wir die Landschaft für ca. 100 Jahre. Mit der Bildungsarbeit geben wir den nächsten Generationen die Handhabe, unsere Städte enkeltauglich und essbar zu visionieren.

Wie kam es denn zu der Idee dieses Projekts, wie ist es entstanden?

Vor ca. 17 Jahren war ich in einem Dorf in Brandenburg. Kaum jemand erntete seine Äpfel, weil sowohl die Äpfel als auch der Saft so billig war. Die Mühe lohnte sich in ihren Augen nicht. Damals wollte ich eine Aktion machen. “Jam Session” hieß sie. Ich wollte zusammen mit Jugendlichen die Äpfel ernten und sie dann mit älteren Menschen in Altersheimen verarbeiten und alle hätten zusammen easy ihren Jahresvorrat hergestellt. Die Logistik war aber aufwendig und teuer. Ich fand keine Unterstützer für die Idee.

Was treibt dich denn täglich an, wofür brennst du?

Gutes Essen macht glücklich und hält uns gesund. Gleichzeitig ist Essen unsere größte Handlungsmacht (dreimal am Tag!) unsere Welt zu verändern: unser Essen entscheidet, wie unsere Landschaft/Welt aussieht. Essen und Bäume sind unser größter Hebel beim Klimawandel. Essen verbindet Menschen. Essen ist Identität und Kultur.

Und der Apfel hat weltweit ein ganz besondere Symbolkraft. Ich lese und lerne seit über 10 Jahren über Äpfel und lerne immer noch spannendes darüber hinzu. Es fesselt mich, wie am ersten Tag.

Mich treibt an, Menschen ganz konkret zu zeigen, wie bereichernd, lustvoll es ist “mit Essen Gutes für sich und die Zukunft tun”.

Bei den Ernteaktionen kommen Menschen aus den verschiedensten Bereichen zusammen. Alle haben Spaß, essen sich durch die Apfelsorten. Erwachsene erinnern sich an die Äpfel ihrer Kindheit, Kinder staunen über den Wurm, die Sonnenbrandflecken und die Größen der Äpfel, weil sie nur Supermarktäpfel kennen. Fast alle kommen jährlich wieder. Fast alle essen danach mehr Äpfel. Fast alle sehen die Welt und was sie in ihrem Alltag tun können.

Das macht mich glücklich.

Wenn du in 3 Stichworten nennen müsstest, in welchen Bereichen ihr die Welt zum Besseren verändert, was wären diese drei Worte?

  • Klimaschutz
  • Naturräume und Kulturgut erhalten
  • Sharing Economy

Möchtest du unseren Leser:innen noch etwas mitgeben?

Was ich in all den Jahren bei mir und vielen feststellen durfte: Nachhaltig leben ist meist bereichernd und ein Gewinn, kein Verzicht.
Deshalb esst und kocht gut für Euch und für andere und schützt damit die Natur.

 

Vielen Dank für diese spannenden Einblicke. Wir freuen uns, dass wir euch gemeinsam mit den Mitarbeiter:innen unterstützen können! Wer noch mehr wissen möchte findet detaillierte Informationen hier auf der Website von Apfelschätze.

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