Zurück zur Hauptseite

Ein Interview mit Amy

Amy Silberzahn, nachhaltige Stilberaterin, Journalistin und Autorin, spricht regelmäßig mit Personen, die in ihrem Umfeld einen Impact machen, die sich verstärkt damit beschäftigen, wie ihr Handeln unseren Planeten beeinflusst. Im Interview mit WeShape berichtet nun Amy über ihren persönlichen Antrieb und das Thema Nachhaltigkeit in der Modebranche.

Amy, stell’ dich und deine Arbeit doch einmal vor.

Ich bin eine nachhaltige Stilberaterin. Mein Fokus liegt auf der Unterstützung meiner Kund:innen, ihr Leben erfolgreich zu gestalten. Ich helfe ihnen, ihre persönliche Marke, ihren aktuellen Lebensstil und den, den sie anstreben, zu verstehen. Mit diesem tieferen Verständnis können sie ihren persönlichen Stil entwickeln und eine Garderobe zusammenstellen, die ihren Zielen dient und mit ihren Werten übereinstimmt. Vielfalt und Inklusivität sind Schlüsselwerte meines persönlichen Ethos. Daher liebe ich es, mit Menschen außerhalb des engen Rahmens vieler Modemarken zu arbeiten, z. B. mit Menschen mit Übergrößen und seit kurzem auch mit einer heldenhaften Transgender-Frau.

Ich ermutige meine Kund:innen, in die beste Qualität zu investieren, die sie sich leisten können, und unabhängige Designer zu unterstützen, die ethisch und ökologisch nachhaltig arbeiten, vom Material bis zur Produktion. Meine langjährige Erfahrung in Marketing und PR in der Modebranche, als Modedesignerin und als unabhängige Boutiquenbesitzerin ermöglicht es mir, schöne, qualitativ hochwertige und umwelt- und sozialbewusste Produkte zu beschaffen, die meine Kundschaft liebt und dadurch wertschätzt.

Ich gebe Tipps und Tricks weiter, um den Gebrauch zu vervielfachen und meinen Kund:innen zu zeigen, wie sie die Artikel pflegen und somit möglichst lange erhalten können. Mit Second-Hand- und Vintage-Funden bringe ich außerdem Individualität in ihre Kleiderschränke – eine einfache, praktische und nachhaltige Option, die hilft, Abfall zu reduzieren.

Warum sind die Themen Nachhaltigkeit, Diversität und Inklusivität für dich wichtig?

Ich habe vor über 20 Jahren in der Modebranche angefangen und habe die Achterbahnfahrt, die sie durchlaufen hat, aus allen Perspektiven gesehen. Ich bin begeistert von der Macht, die die sozialen Medien den Menschen außerhalb der Branche gegeben haben und die es ihnen ermöglicht, den Streetstyle voranzutreiben, echte Körperformen und -größen zu repräsentieren und mehr Vielfalt und Inklusivität innerhalb der Branche zu fordern.

Es ist ermutigend zu sehen, wie sich große Marken zu mehr Verantwortung innerhalb ihrer Lieferkette bewegen, und gleichzeitig gemeinsame Projekte mit nachhaltigen Marken entwickeln, die sich auf recycelte Materialien und ethische Beschaffung konzentrieren. Die Unterstützung unabhängiger Marken war schon immer meine Leidenschaft, da ich die damit verbundenen Herausforderungen selbst miterlebt habe. Es ist wichtig, diese Kreativen zu unterstützen, denn sie sind diejenigen, die wirklich die Grenzen erweitern: In Bezug auf ethische Geschäftspraktiken, umweltfreundliche Stoffproduktion, Entwicklung von Fachkenntnissen und durchdachte Arbeitsumgebungen für alle, mit denen sie verbunden sind.

In den letzten Jahren habe ich Stimmen interviewt, die sich darauf konzentrieren, positive Auswirkungen in ihrer Branche zu erzielen. Die Berücksichtigung der Auswirkungen, die wir als Individuen und als Geschäftsinhaber auf den Planeten haben, ist für sie ein wichtiger Aspekt in der Art und Weise, wie sie ihr Leben leben. Dieses Bewusstsein verändert ihre persönliche Definition von Erfolg und die Denkweise darüber, was sie tun und warum sie es tun. Es ist so spannend, dies zu sehen. Die Geschichten hinter diesen Unternehmern zu verstehen, ist unglaublich motivierend und inspirierend.

Was war der Auslöser dafür?

Ich war mir schon immer meines Aussehens bewusst. Als großes, schlankes, “mixed race girl” (Kind mit ethnisch gemischter Herkunft, Anm. der Red.) mit wilden Afro-Haaren fiel ich in der englischen Grafschaft Essex auf, die vor allem durch David und Victoria Beckham und den Koch Jamie Oliver berühmt wurde. Als jüngstes von drei Mädchen waren die meisten meiner Kleidungsstücke weitergegebene Stücke. Es gab nicht viele Möglichkeiten, meine Schuluniform zu personalisieren, und die Trikots meines Sportvereins machten auch nicht viel Spaß.

Als ich also im Alter von 16 Jahren bei Marks and Spencers anfing zu arbeiten, war ich begeistert, dass ich in Second-Hand-Läden nach coolen Sachen suchen konnte, um sie zu personalisieren. Und so begann ich, meinen eigenen Stil zu entwickeln. Ich blieb bei Marks and Spencers bis zu meinem letzten Jahr an der Universität und die Lektionen, die ich dort als Stilassistentin in der Autograph-Abteilung lernte, waren der Schlüssel zu meinem Verständnis für die Vielfalt der weiblichen Körper, die Dinge, die sie brauchen, sowie die Auswirkungen, die Kleidung auf das Selbstbewusstsein haben kann.

Dies war das Kernwissen um die Ware, die ich für meine eigene Boutique kaufte, die ich in Frankfurt besaß. Ich bemühte mich, Marken von unabhängigen britischen Designern zu beschaffen, um ihnen die Möglichkeit zu geben, auf dem deutschen Markt Fuß zu fassen. Ich führte ein möglichst breites Größenspektrum der Designer, und jede Kundin erhielt eine persönliche Betreuung und Aufmerksamkeit.

Private Veranstaltungen ermöglichten es mir, meine Fähigkeiten und Tipps und Tricks mit meiner Kundschaft zu teilen sowie Kund:innen zum Networking und zu saisonalen Modenschauen zusammenzubringen. Ich glaube, wenn wir wollen, dass sich die Dinge weiterentwickeln, sei es bei den Themen nachhaltige Geschäftsethik, Diversität oder Inklusivität, dann sind Kommunikation und Zusammenarbeit der Schlüssel.

Nachhaltigkeit ist ja in manchen Bereichen auch kontrovers diskutiert. Was rätst du den Leser:innen, die sich nicht unbedingt trauen, in die Diskussion zu gehen?

Obwohl große Marken und vor allem Fast Fashion einen schockierenden Einfluss auf die negativen Auswirkungen der Industrie hatten, machen sie Schritte in die richtige Richtung und die Konsument:innen haben dabei eine große Rolle gespielt. Indem man sich entscheidet, die bewussteren Kollektionen wie Join Life und Conscious Clothing von Zara und H&M zu unterstützen, kann man sie weiter in die richtige Richtung stupsen.

Ein wesentlicher Einfluss des Verbrauchers besteht jedoch darin, dass er keine Dinge kauft, die er nur ein- oder zweimal trägt und die dann auf der Mülldeponie landen. Stoff ist kein Abfallprodukt, das man so einfach wegwerfen sollte. Dies zu berücksichtigen, ist ein wichtiger Teil der angestrebten positiven Veränderung.

Was kann denn jede:r Einzelne tun, um im Modebereich nachhaltiger zu leben?

Ich ermutige meine Kund:innen, bei jedem Kauf über den Preis hinaus die Auswirkungen und den Bedarf zu berücksichtigen. Ergänzt es wirklich eure Garderobe, passt es zu eurem Stil und euren Bedürfnissen. Wo wurde es hergestellt und von wem, woraus ist es hergestellt, gibt es eine bessere Alternative? Alles Dinge, die nur ein wenig Abwägung verlangen, bevor ihr auf „Kaufen“ klickt!

Amy Silberzahn im Interview | WeShape.world

Amy Silberzahn

Persönliche Stilberaterin, Journalistin und Autorin

Amy Silberzahn ist Fempreneurin, Mutter, Autorin und persönliche Stilberaterin. Sie ist sowohl Britin als auch Deutsche, lebt in Berlin und liebt Tanzen, Lesen und Art Journaling ebenso wie Karate und das Interviewen von unternehmerischen Change Makern.

www.silberzahnstyle.com
Folgt mir auf www.instagram.com/silberzahnstyle