Was Unternehmen aus der Krise lernen können

Heute ist Tag der sozialen Gerechtigkeit. Ein Tag, der uns nachdenklich stimmt, vor allem nach einem Jahr Pandemie in Deutschland. Diese Pandemie verlangt uns nicht nur viel Kraft ab, sondern sie befeuert auch Probleme, die zuvor bereits sichtbar waren. Und das weltweit, wie aus einer Studie von Oxfam Deutschland hervorgeht. Sie trägt den treffenden Titel “Das Ungleichheitsvirus”. Im Globalen Süden verschärft Corona bestehende Hungersnöte noch weiter, spätestens bei der Verteilung der verfügbaren Impfstoffe wird die Ungleichheit klar sichtbar.

Auch Deutschland ist vor dieser Entwicklung nicht gefeit

Auch hier vergrößert sich die Kluft zwischen Arm und Reich immer mehr, angekurbelt durch die Folgen der Pandemie unter anderem auf dem Arbeitsmarkt. So mussten rund 50% der Geringverdiener:innen, deren Lohn bereits vor der Pandemie unter 900€ lag, Einkommen einbüßen. Studien gehen dabei sogar von einem Verlust von 25% der Einnahmen aus.

Arbeitnehmer:innen mit höherem Lohnniveau sind hingegen deutlich weniger betroffen. Dass diese Missstände durch Kurzarbeitergeld allein nicht ausgeglichen werden, lässt sich ganz einfach ausrechnen. Die Einbußen schmerzen nachvollziehbarerweise bei einem geringen Lohn umso mehr, vor allem wenn hierdurch Sorgen um ausreichend Geld für Miete oder sogar ausreichend Lebensmittel entstehen.

Denn in anderen Lebensbereichen ist kaum Entlastung in Sicht: Die Mietpreise steigen weiter an, vielerorts erhöhen sich die Preise für den ÖPNV. Während also auch in Deutschland das Vermögen der Reichsten trotz Corona steigt, sind die Geringverdiener am stärksten von den Auswirkungen der Pandemie betroffen.

Nicht nur finanziell feuert Corona die Ungleichheit weiter an

Nehmen wir das Beispiel der Geschlechtergleichheit: Das letzte Jahr hat alte Rollenbilder wieder verstärkt, so springen Frauen deutlich häufiger ein, wenn die Kinderbetreuung nicht mehr gesichert ist. Und auch in Sachen Bildung zeigt sich mehr und mehr, dass die Chancengleichheit den Restriktionen im Bildungsbereich nicht standhalten kann. Dabei geht es nicht allein um technische Mittel für digitales Lernen, sondern auch darum, welche Eltern überhaupt die Möglichkeit auf Homeoffice haben und Lernunterstützung geben können. Mehr Details dazu findet ihr hier.

Die Liste der Herausforderungen, denen wir als Gesellschaft gegenüberstehen, könnte leider noch weiter und weiter verlängert werden. Was sich jedoch auch so schon zeigt: Wir brauchen einen Wandel.

Es braucht eine Veränderung

Die Entwicklungen sind erschreckend, und so schließen wir uns gerne dem Fazit von Oxfam an und sagen “Wir brauchen allen in gleicher Weise zugängliche soziale Grunddienste, die nicht einer Gewinnlogik unterworfen werden. Unternehmen müssen demokratisch und gemeinwohlorientiert ausgerichtet sein, damit ihr Handeln allen dient. Und es gilt, vielfältige und durchlässige Marktstrukturen zu schaffen, sodass Macht nicht bei einzelnen Konzernen angehäuft wird.”

Während ein Teil der Unternehmen selbst stark von den Auswirkungen der Pandemie betroffen ist, verzeichnen andere wiederum einen Zuwachs an Gewinn. Der Ruf der Gesellschaft, dass Unternehmen Verantwortung übernehmen sollen, war schon vor einem Jahr gut hörbar und hat nun an Lautstärke gewonnen. In diesem Kontext interessiert uns bei WeShape natürlich auch, wie sich das vergangene Jahr auf Spendenwesen und CSR ausgewirkt hat. Denn Hilfe ist nötiger als je zuvor.

Das Spendenwesen während der Pandemie

Laut eines Berichts des DZI aus Oktober 2020 verzeichneten große Organisationen während des ersten Halbjahres 2020 ein Plus an Spendeneinnahmen. Kleinere Organisationen hingegen verzeichnen in 38% der Fälle einen Rückgang. Das ist mit Blick auf Deutschland deshalb ein besorgniserregendes Fazit, weil hier die kleinen und mittleren Organisationen einen Großteil der gemeinnützigen Einrichtungen stellen.

Zahlen zur Anfangsphase der Pandemie von betterplace.org zeigen zudem, dass sich Unternehmen in der Krise durchaus solidarisch zeigten, die Unternehmensspenden legten im ersten Quartal deutlich zu. Alles in allem lässt sich also, was Spenden angeht, ein positives Fazit ziehen. Die Bereitschaft ist weiterhin da, zumindest im Volumen. Tendenz steigend.

Steigender Bedarf, gerade in Zeiten der Krise

Wir sollten nicht vergessen, dass dennoch der Bedarf steigt. Und das nicht nur an finanzieller Unterstützung, sondern auch im Bereich Ehrenamt. Denn gerade dort, wo ältere Menschen einen Großteil der Helfer ausmachten, ist der Bedarf nach neuen Helfern groß. Und wie so viele Arbeitnehmer:innen spüren mussten, wird in der Krise auch ein fairer und gerechter Umgang im Unternehmen nötiger denn je. Unternehmen, die sich flexibel und verständnisvoll zeigten, werden langfristig profitieren.

Ein Weckruf als Chance für Unternehmen?

Es zeigt sich mehr denn je, dass wir eine Veränderung brauchen und Corona ein Weckruf hierfür war. Unternehmen können diesen Weckruf auch als Chance sehen, sich zukunftsfähig auszurichten:

Was sind die Unternehmenswerte, für die man künftig stehen möchte? Wie können nachhaltige Lieferketten eingeführt werden? Wie sollte der Umgang mit dem Personal und das gesellschaftliche Engagement außerhalb des Unternehmens gestaltet werden?

Große Themen erfordern Gemeinschaft

Große Themen, das ist uns bewusst. Der Wandel wird nicht von heute auf morgen zu vollziehen sein. Wir müssen gemeinsam – also Wirtschaft, Politik und Gesellschaft – umdenken, mutig sein und die unterstützen, die sich bereits für eine gerechtere Welt einsetzen.

Für die Organisationen, mit denen wir kooperieren, gehört es zur täglichen Aufgabe, soziale Gerechtigkeit herzustellen. Und wie eben beschrieben sind diese davon abhängig, dass sich auch Wirtschaftsunternehmen solidarisch zeigen, sie durch Spenden unterstützen und Bereitschaft zu Veränderung demonstrieren. In diesen Zeiten mehr denn je.

Deshalb wollen wir nun am Ende nochmal sagen: DANKE für eure tolle Arbeit! Und DANKE an alle Unternehmen, die bereits mit ihren Mitarbeiter:innen daran mitwirken!

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